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Stellungnahme zu "metabolic balance"
"metabolic Balance" - der Weg zum Wunschgewicht?
Am 15. Februar 2010 nahm das ZDF Verbrauchermagazin WISO in ihrer Rubrik "WISO ermittelt" das aktuell sehr präsente Stoffwechselprogramm "metabolic balance" von Dr. Wolf Funfack unter die Lupe. Ein dazu befragter ehemaliger Klient bestätigte, dass er mit dem Programm innerhalb kurzer Zeit 8 kg abgenommen habe - eine Aussage, die sich soweit auch mit anderen Expertenmeinungen (z.B. Prof. Dr. Kurt Widhalm, Professor für Ernährungsmedizin am AKH Wien) und einer Studie des Hochrhein-Instituts für Rehabilitationsforschung deckt. Je strenger die Vorgaben eingehalten werden, so der Hinweis, desto mehr Gewichtsabnahme sei auch erreichbar. Eine sehr allgemeine Aussage, die auf jede Art von Diät mit massiver Kalorieneinschränkung übertragbar ist. Die sehr rigiden Vorgaben von "metabolic balance" sind nicht nur einseitig, sondern auch nicht nachhaltig, da keine echte Ernährungsumstellung stattfindet. So ist der weithin bekannte JoJo-Effekt vorprogrammiert. Das berichtete auch der bei WISO vorgestellte Klient - er hatte nach einem halben Jahr wieder sein Ausgangsgewicht.
Die hohen Kosten: mindestens 300 Euro und oft auch deutlich mehr werden mit der speziellen, individuellen Betreuung gerechtigfertigt. So wurden mit dem Programm in den letzten 8 Jahren Millionen (lt. WISO) erwirtschaftet. Da es sich hierbei um ein nicht qualitätsgesichertes Programm handelt, wird die Teilnahme nicht durch die gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst und der Klient muss die kompletten Kosten - durchschnittlich 840 Euro, lt. Pressemitteilung 2/2010 der Verbraucherzentrale Hessen e.V., selbst tragen.
Das Programm: Der Stoffwechsel soll mit einem individuell abgestimmten Ernährungsplan ins Gleichgewicht gebracht werden - dazu das Versprechen, nicht nur eine dauerhafte Lösung von Gewichtsproblemen, sondern auch mehr Gesundheit, Vitalität und Leistungsfähigkeit zu erhalten (siehe Pressemitteilung 2/2010 der Verbraucherzentrale Hessen). Zu Beginn wird eine Blutuntersuchung durchgeführt. Die untersuchten Laborwerte haben laut Prof. Dr. Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin nichts mit dem Ernährungsstatus zu tun. Diese Werte dienen dann als Basis für die Auswertung (mittels eines Computerprogramms). Und hier kommt der angeblich stoffwechselspezifische, individuelle Anteil ins Spiel. Nach nicht wissenschaftlich nachvollziehbaren Parametern und der geheimnisvollen Funktionsweise des Computerprogramms - ein Betriebsgeheimnis (nach Dr. Wolf Funfack, Interview im WISO-Beitrag) - werden dann die Lebensmittel zusammengestellt, die gegessen werden dürfen und diejenigen, die gemieden werden sollen. Die Vorgaben sind Gramm genau und müssen auch so eingehalten werden. Prof. Dr. Hans Hauner betont, dass die herangezogenen Blutwerte keine Information darüber geben, was ein Mensch essen soll und bezeichnet das Verfahren als "Hokus-Pokus". In der Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Hessen 2/2010 stellt Andrea Schauff Empfehlungsvarianten vor. So solle der eine Aprikose und Schafskäse essen, wohingegen einer anderen Person angeraten wird Kiwi und Limburger zu verzehren. Ernährungsexperte Dr. Hofmeister von der Verbraucherzentrale Bayern beanstandet schon in der Pressemitteilung vom 31.07.2007, dem einen werde von Gurke abgeraten, dem anderen werde Tomate ans Herz gelegt. Außerdem erklärt er, es gebe bislang keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Existenz bestimmter Stoffwechsel-Typen und Rückschlüsse auf die Ernährung. Kritikpunkte hierbei sind vor allem die eingeschränkte Lebensmittelauswahl und das Verbot von wichtigen Lebensmitteln - gerade im Gemüse- und Obstbereich sollten keine Einschränkungen gemacht werden, wenn keine nachgewiesenen Unverträglichkeiten vorliegen (Prof. Dr. Kurt Widhalm). Die Empfehlungen sind geradezu konträr zu denen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), die wissenschaftlich fundiert zu einer möglichst abwechslungsreichen Vollwertkost rät. Persönliche Vorlieben bleiben unberücksichtigt - das Programm steht im Vordergrund, nicht der Klient in seiner Individualität. Und durch die unflexiblen Pläne werden Restaurantbesuche, Einladungen und Feste beinahe unmöglich.
Doris Steinkamp, Vorsitzende der Diätassisstenten e.V. (VDD) berichtet in WISO, dass die Vorgehensweise von "metabolic-balance" auch insofern unzureichend sei, da weder auf Begleiterkrankungen entsprechend eingegangen werde, noch die Ausbildung der Ernährungskräfte dafür ausreiche. Angeblich wird die Betreuung nur von Fachkräften (Mediziner, Heilpraktiker,...) durchgeführt. WISO fand allerdings heraus, dass für die Weiterbetreuung besondere Vorkenntnisse nicht erforderlich seien. So ist es möglich in nur 17 Tagen ein "metabolic-balance coach" zu werden.
Natürlich ist es schwierig, sich im Dschungel der vielen Anbieter zurechtzufinden und zu unterscheiden, welche Anbieter seriös sind und wer für Ernährungsberatung qualifiziert ist. Dass "Ernährungsberater" kein geschützter Begriff ist, macht es nicht leichter. Aber hier bekommen Sie Hilfe vom Gesetzgeber: für Ernährungsberatung vorrangig vorgesehene Berufsgruppen sind: Diätassisstenten, Diplom-Ökotrophologen, Diplom-Ernährungswissenschaftler und Ernährungsmediziner. Wenn Sie unsicher sind, können Sie bei den Verbraucherzentralen, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) oder auch bei Ihrer Krankenkasse nachfragen, wie Sie zu qualifizierten Fachkräften und seriösen Informationen kommen können.
Fazit und auch Überschrift der Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Hessen: "metabolic-balance - kein Lichtblick am Diätenhimmel"!
Hätten Sie's gewußt?
Hätten Sie's gewußt?
... daß Fruchtsaft und Limonade den gleichen Zuckergehalt haben, nämlich 10g pro 100ml, was einem Eßlöffel Zucker entspricht
... daß Paprika mit 121mg über doppelt soviel Vitamin C hat, wie eine Orange mit nur 49mg pro 100g eßbarem Anteil
... daß Pommes frites mit 6g pro 100g eßbarem Anteil nur ein Zehntel soviel Fett haben wie Nüsse (Beachte natürlich die Fettqualität!)
... daß Gurken und Kopfsalat in ihrem Vitamingehalt stark überschätzt werden, genauso wie in ihrem Ballaststoffanteil (Gurke: 0,54g pro 100g, Kopfsalat: 1,44g pro 100g im eßbaren Anteil) - mit diesen Lebensmitteln ist es schwierig seine empfohlenen 30g Ballaststoffe pro Tag zu erreichen
... daß z.B. eine Viertel Stunde Joggen 176kcal (bei einer Person mit 60kg Körpergewicht) verbraucht; dazu gleich 2 gute Nachrichten: Je schwerer Sie sind, desto mehr Energie verbrauchen Sie auch, und neueren Studien zufolge beginnt die Fettverbrennung schon ab der 1.Minute!